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David Ostrowski  

Marktcheck: David Ostrowski

Ist weniger wirklich mehr?

Ostrowski, David – Sie haben diesen Namen noch nie gehört? Dann haben Sie zwei Möglichkeiten. Die erste: Merken Sie sich den Namen, denn der erst 1981 geborene Deutsche ist aktuell der Superstar der jungen Kunstszene  – und überraschenderweise auch des internationalen Auktionsmarkts. Möglichkeit Nummer zwei: Vergessen Sie ihn, in zehn Jahren kennt ihn vielleicht niemand mehr.

Über Ostrowski haben wir in der ARTINVESTOR-Ausgabe „Top Secret“ (04/2014) berichtet (Anm. d. Red.: Seit Juni 2015 erscheint ARTINVESTOR im neuen Gewand als Artcollector). Da nahm der Hype um den 1981 in Köln geborenen Absolventen der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie gerade Fahrt auf.  Unsere Kolumnistin Annegret Erhard beschrieb seine Arbeit so lapidar wie charmant mit diesen Worten: „Atelierdreck, Farbreste, Papierfetzen, wieder und wieder überstrichen mit weißer Farbe. Nicht sorgfältig, sondern mit arroganter Nonchalance. David Ostrowski malt keine Bilder, er thematisiert das Malen, den Vorgang an sich. Ihn interessiert die Quintessenz.“

Ostrowski studierte in Düsseldorf bis 2009, war Meisterschüler von Albert Oehlen und blickt inzwischen, mit nur Mitte Dreizig, auf Ausstellungen in Los Angeles und ein Atelierstipendium in Brooklyn zurück. Seine Karriere verlief bilderbuchartig, heute arbeitet er mit Galerien wie Simon Lee (London) und Peres Projects (Los Angeles/Berlin) zusammenarbeitet und zählt zu den Shootingstars. Ostrowski hat aber bisher nicht nur Lob geerntet, ihm haftet auch das so genante Flipping an. Das heißt, seine Bilder bewegen sich in einem rasanten Tempo auf dem Markt, realisieren hohe Hammerpreise, sind auf allen Messen präsent. Mit Platzierungsgeschick und gezieltem Raunen ist gutes Geld mit ihnen zu verdienen, so zumindest hoffen die Investoren und Händler. Klingt verlockend, aber eben das kann, so Erhard, gefährlich für den Künstler und sein Werk sein. "Eine Zeit lang läuft das Flipping für
 alle Beteiligten ganz famos, auch das liegt in der Natur der Sache. Aber wenn der aufmerksame Marktbeobachter weiß, dass im Februar eines von Ostrowskis F-Paintings (F steht für Fail oder Fehler) bei Phillips in London von 16 000 auf 86 500 Pfund (inklusive Aufgeld) gesteigert wurde und wenn er auf der Art Cologne bei Peres Projects am Eröffnungsabend erfährt, dass die dort hängenden Bilder bereits verkauft sind – für angeblich jeweils 28 000 Euro –, dann mag er eventuell ins Grübeln geraten über die Gesetze eines Marktes, in dem alles möglich und Transparenz nur ein gut gemeintes Wort ist“. Wer pusht da die Preise?

Im März 2015 boten sowohl Christie’s als auch Sotheby’s Arbeiten von Ostrowski an. Christie’s versteigert am 6. März „F (Jet Grill)“, 2013, Mischtechnik auf Leinwand, etwa 100 cm x 80 cm groß, Schätzpreis: 20000-30000 US Dollar (ca. 17 800 bis 26 800 Euro). Sotheby’s brachte am 5. März 2015 „F (From Bad to Worse)“ von 2012 auf den Markt, ebenfalls Mischtechnik auf Leinwand, dafür um einiges größer, 220 cm x 170,8 cm. Für die Arbeit erhofft sich das Auktionshaus in New York mindestens 50 000 bis 70 000 US-Dollar (ca. 44 700 bis 62 600 Euro), erzielt wurden 62 500 US Dollar. Beide Arbeiten stammen aus der F-, der Fail-Serie. „F (From Bad to Worse“) sowie „F (Jet Grill) sind so marktfrisch wie die sprichwörtlichen Brötchen beim Bäcker. Noch nie zuvor wurden Sie versteigert. Allerdings wurde eine größere Version von „F (Jet Grill) bereits auf einer Auktion bei Sotheby’s im September 2014  angeboten – bei 108 000 Euro schlug ein Bieter zu. Das Interesse an Ostrowski scheint ungebrochen – nicht nur am Markt: Grade erst endete seine Einzelausstellung in der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo in Turin und seit dem 28. Februar ist Ostrowskis Solo-Show im Arken Museum in Dänemark angelaufen. Dort steht ebenfalls die F-Serie im Vordergrund. Es geht also mal wieder um „Beautiful Mistakes“, wie es der Pressetext der Show postuliert. Das schöne Scheitern während des Malvorgangs.  Auf dem Auktionsmarkt ist vom Scheitern dagegen wenig zu sehen. Ein Erfolgspreis jagt den nächsten:  37 Arbeiten wurden bisher  versteigert, Gesamtumsatz rund 2,2 Millionen Euro – und das, obwohl der Künstler erst seit 2014 in Auktionen zu finden ist. Endig ein Werk floppte: Die Fotografie „auch Die Schönste Frau Ist An Den Füssen Zu Ende“  von 2013 wurde bei Villa Grisebach im November 2014 für nur 800 Euro versteigert. Im Vergleich: Aquarellzeichnungen des Künstlers, wie etwa „Ihre Augen Schauten Gott“ von 2009, wurden in selbiger Auktion für rund 3000 Euro verkauft.

Marktstrategie und Networking

Die Kunstmarktdatenbank Artprice fasst den Aufstieg von Künstlern unter 35, zu denen Ostrowski neben Durchstartern wie Tauba Auerbach, Lucien Smith oder Alex Israel gerechnet wird, so zusammen: „Ihren Erfolg haben sie ihrem unbestreitbaren Talent, aber auch den richtigen Begegnungen zur richtigen Zeit und dem Knüpfen solider Netzwerke seit Beginn ihrer Laufbahn zu verdanken.“ Zwar bewegen sich Ostrowskis Auktionsergebnisse noch nicht im Millionenbereich, im dem Auerbach und Smith rangieren (Sie erreichte ein Gesamtergebnis von 7,2 Millionen US Dollar, er eines von 3,2 Mio US Dollar), aber immerhin konnte Ostrowski 2014 schon fünfzehn Werke über 100 000 US-Dollar versteigern. Das alles hat er vermutlich auch Harmony Korine, Idependent-Regisseur und Adam Kimmel, Modesigner, zu verdanken. Ersterer machte seinen jetzigen Galeristen Javier Perez auf Ostrowski aufmerksam. Und Kimmel lud ihn 2012 nach New York ein, wo er dem jungen Talent prompt ein Atelier zur Verfügung stellte. Ostrowski reitet schienbar mühelos auf der Erfolgswelle, doch gilt er – man würde es kaum vermuten – als scheuer Künstler. Es gibt keine Fotos von ihm, er bleibt Vernissagen lieber fern. Sein Galerist Javier Perez: „David Ostrowski ist einer der talentiertesten deutschen Künstler und ich glaube, dass wird sich mit seiner weiteren Entwicklung mehr und mehr beweisen. Wir werden weiter verfolgen, was er macht.“ Dennoch ist auch an Perez nicht vorübergegangen gegangen, dass einige in der Kunstszene meinen, da werde einer zu schnell verheizt. Perez lässt das kalt: "Die Kunstwelt ist groß und es gibt genügend Raum für viele verschiedene Stimmen.“ Dass die kritischen Stimmen ihren Einfluss auf den Markt des jungen Deutschen bereits zeigen, könnte man daran ablesen:  „F (Deutscher Film)“ von 2011, eine überwiegend schwarze Ölarbeit, blieb im Februar bei Phillips unverkauft. Der Schätzpreis lag bei 80 000 Euro.  Ein Negativtrend? Nun ja, vielleicht lag es schlichtweg an dem düsteren Grundton, dass das Werk nicht keinem Bieter gefiel. „F (Plötzlich Prinzessin“, ein weißes Ölgemälde mit zwei blauen Strichen, ging nämlich in derselben Auktion für fast 81 000 Euro über den Tisch. Noch ist Ostrowski nicht gescheitert.

Auktionsrekorde

  • EUR 175 196 „F(Gerr Vaucher)“, 2012, Mischtechnik Gemälde, 268,1 cm x 214,8 cm, Phillips, London, 02.97.2014
  • EUR 167 877 „F (Betweent Two Ferns)“, 2012, Mischtechnik Gemälde, 220 cm x 160 cm, Phillips, New York, 16.05.2014
  • EUR 145 620 „F“, 2012, Mischtechnik Gemälde, Christie’s, 198 cm x 147,3 cm, New York, 14.05.2014
  • EUR 124 920 „F (Dann Lieber Nein), 2011, Lack Gemälde, 200 cm x 150 cm, Sotheby’s, London, 30.06.2014
  • EUR 108 864 „F (Jet Grill), 2013, Acryl Gemälde, 241 c, x 191 cm, Sotheby’s, New York, 24.09.2014

Quelle: artprice.com