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Clevere Girls: Angela Roldán, Marta Olszewska, Francesca Polo und Bernadine Bröcker haben Vastari gegründet © Vastari 

Die Ausstellungskuppler

Plattform für Leihgeber und Ausstellungsmacher

Wie können potentielle Leihgeber und Ausstellungsmacher besser zueinander finden? Diese Frage haben sich vier Frauen in London gestellt – und ein Projekt initiiert, das die Kommunikation zwischen Kunstsammlern und Kuratoren erleichtern soll

„Vastari – The Exhibition Connection“ nennt sich die Onlineplattform, die Bernadine Bröcker, Francesca Polo, Angela Roldán und Marta Olszewska im Januar 2013 gründeten und für die sie jetzt den "The Next Women Award" bekommen. Das Konzept ist so simpel wie findig: Nach einfacher Registrierung lädt der Sammler Abbildungen der Kunstschätze hoch, die er für Ausstellungen verleihen möchte. Kuratoren können sich die Werke aussuchen, die zu ihrer geplanten Schau passen könnten, die Bilder anklicken, Kontakt aufnehmen – und die Leihgabe ist gesichert. Bernardine Bröcker sprach mit Artcollector über ihre Erfahrungen mit Sammlern, vorurteilsfreies Netzwerken – und den Stellenwert von Anonymität und Vertrauen in der Kunstwelt.

Artcollector: Frau Bröcker, ihre Internet-Plattform Vastari bietet einen neuen Service an, der die Kommunikation zwischen Privatsammlern und Museumskuratoren erleichtern soll, etwa um Leihgaben besser abzuwickeln. Wie kamen Sie auf die Idee?

Bernadine Bröcker: Alles hat 2012 angefangen. Als ich damals eine Galerie in London geleitet habe, fiel mir auf, dass viele Sammler erfahren wollten, wie sie ihre Sammlungsobjekte an Museen verleihen können. Obwohl die Arbeiten meiner Galerie im Netz öffentlich zugänglich waren, wollten wir sie oft gar nicht an Museen verleihen, da unser Fokus ja auf dem Verkauf der Arbeiten lag. Aber ich habe Kuratoren gefragt, warum sie nicht mehr Kunstwerke aus Privatsammlungen ausleihen wollten. Ihre Antwort war häufig, dass es sehr zeitaufwändig ist, zu erforschen, wo sich die Arbeiten befinden und ob der Sammler seine Kunstwerke überhaupt hergeben möchte. Aber die Kuratoren betonten, dass sie gern mit Sammlern kooperieren, da ihre Objekte selten in der Öffentlichkeit zu sehen sind.

Vastari – Was steckt hinter dem Namen?

Der Name Vastari hat seine Ursprünge in „Vasari“ nach Giorgio Vasari (1511 – 1574), der für viele als der erste Kunsthistoriker überhaupt gilt. Er hat über Leonardo, Donatello, Michelangelo sowie diverse andere Meister der Renaissance geschrieben. Wir von Vastari bewundern seine Mission und Arbeit, alle Arbeiten zusammenzutragen. Da sich Vastari nun nicht nur auf Malerei, Skulptur und Architektur beschränkt (engl. vast = unüberschaubar, gewaltig), haben wir uns für den Namen Vastari entschieden.

Sie bieten den Sammlern, die bei Ihnen mitmachen, eine persönliche Unterstützung an. Wie sieht diese en détail aus?

Wir versuchen das gesamte Spektrum abzudecken, bieten dem Sammler professionelle persönliche Unterstützung aber auch komplette Anonymität. Wenn ein Sammler anonym bleiben möchte und wünscht, seine Kollektion ohne unsere Hilfe hochzuladen sowie mit Museen in Kontakt zu treten, ist das möglich. Falls er oder sie Unterstützung beim Upload seiner Arbeiten benötigt, ist das auch kein Problem.

Anonymität ist ein wichtiger Aspekt von Vastari und allgemein im Kunstbetrieb. Wie entsteht nun konkret der Kontakt zwischen dem Sammler und einem Museum oder Kurator?

Durch ein Nachrichtensystem können Sammler und Kuratoren solange anonym miteinander kommunizieren, bis beide Seiten bereit sind, ihre Identität offenzulegen. Manchmal geschieht dies bereits nach einer Nachricht, ansonsten passiert es nach einem längeren Zeitraum. Irgendwann müssen die potenziellen Kooperationspartner ja miteinander in Kontakt treten - etwa wenn es um die Aufstellung des Leihvertrages geht.

499 Pfund kostet es einen Sammler pro Jahr, Mitglied bei Vastari zu sein. Gibt es außer dem Jahresbeitrag spezielle Voraussetzungen  oder Auswahlkriterien für die Sammler oder Museumskuratoren, um sich bei Ihnen anzumelden?

Vastari ist eine Networking-Plattform. Wir urteilen nicht. Die 499 Pfund pro Jahr sollen gewährleisten, dass das Engagement des Sammlers, seine Arbeiten auf der Plattform hochzuladen, nicht abnimmt. Außerdem stecken hinter dem Jahresbeitrag gewisse Vorsichtsmaßnahmen und die Garantie der Sicherheit der Account-Daten des Sammlers. Bei bereits hochgeladenen Objekten arbeitet Vastari mit einem Berichtsystem. Falls eine Arbeit von mehr als zwei Kuratoren als weniger relevant eingestuft wird, haben wir das Recht, sie aus dem System zu löschen. Wir behalten uns auch das Recht vor, Kunstwerke von zeitgenössischen Künstlern, die keine eigene Museumsausstellung oder einen Verkauf auf einer Auktion vorweisen können, zu entfernen. Bei Kuratoren sind wir sehr strikt. Das liegt an unserer Garantie für Sammler, die nur im Falle von Leihgaben und nicht Verkäufen kontaktiert werden sollen. Um als Kurator Mitglied zu werden, muss man einen non-profit Status sowie idealerweise eine Mitgliedschaft bei ICOM(=International Council of Museums) nachweisen.

Über 300 Museen, behaupten Sie, sind bereits registriert. Müssen Museen/Institutionen denselben Jahresbeitrag zahlen? Und könnten Sie bitte einige bereits registrierte Museen nennen?

Museen müssen keinen Jahresbeitrag von 499 Pfund zahlen, um Vastari beitreten und nach Arbeiten für ihre Ausstellungen suchen zu können. Dennoch müssen sie einen Jahresbeitrag an VTEN (Vastari Travelling Exhibition Network), unseren Marktplatz für Ausstellungen, zahlen.

Wie ist es Ihnen gelungen, das Vertrauen der Sammler und Museen überhaupt zu gewinnen? Da strömen ja unglaublich viele private Daten ins Netz...

Vertrauen ist der Schlüsselbegriff, in der Tat. Wir enthüllen deshalb niemals, wer unser System benutzt, auch wenn wir dadurch weniger Werbung für Vastari machen können. Alle Bilder in unserem System sind auf Hochsicherheits-Servern gesichert und werden mit Wasserzeichen versehen, um Missbrauch und Zweckentfremdungen zu verhindern. Es hat über zwei Jahre gedauert, um das Vertrauen von ICOM zu gewinnen und ihnen zu zeigen, dass wir außerhalb der kommerziellen Kunstwelt arbeiten. Wir haben unsere VTEN Plattform auf der ICEE in Helsinki, also dem "International Committee for Exhibitions & Exchange" lanciert. Außerdem fühlen wir uns geehrt, an der kommenden TEFAF, die ja in der Kunstwelt ein sehr hohes Ansehen genießt, ausstellen und sprechen zu dürfen.

Was sind die nächsten Schritte von Vastari?

Es gibt viele Pläne. VTEN, unser reisendes Ausstellungsnetzwerk, wächst von Tag zu Tag und wird ein zentraler Bestandteil unserer Zukunft sein. Wir wollen nicht nur etwa dem Sammler dabei helfen, bereits geplante Ausstellungen zu finden, sondern auch private Sammlungen als Ausstellungen für Museen anbieten. Außerdem wollen wir eine Anlaufstelle für Ausstellungen im Allgemeinen sein. Wir würden uns wünschen, dass alle Sammler eine Registrierung ihrer Arbeiten auf Vastari vornehmen.