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Alex Katz © Vivien Bittencourt 

Alex Katz im Marktcheck

Der Meister des Cool Painting

Gesichter im Großformat, klare Konturen, Farbflächen so flach und monochrom wie die der Werbetafeln im Amerika der Fünfziger. Alex Katz' Werke sind auf dem Kunstmarkt begehrt. Erst kürzlich kam bei artnet auctions eine seiner Arbeiten unter den Hammer

Bis 6. August 2015 versteigerte artnet auctions zeitgenössische amerikanische Kunst. Neben Arbeiten von Mel Ramos und Diane Arbus kam eine Arbeit von Alex Katz unter den Hammer: Der 2010 gefertigte Holzschnitt „Black Hat (Nicole)“. Der Schätzpreis lag bei 3500 – 5500 Dollar, verkauft wurde das Werk für rund 4000 Dollar. Alex Katz ist bekannt für die großformatige, flächige Malerei, begehrt sind vor allem seine Werke aus den 1970er Jahren. Gesichter im Großformat, klare Konturen, Farbflächen so flach und monochrom wie die der Werbetafeln im Amerika der Fünfziger. Alex Katz' Blick streift seine Protagonisten wie eine Filmkamera, zoomt an sie heran, fängt ein hartes Licht und Schattenspiel auf Körper und Kleidung ein. Der Maler Alex Katz, 88 Jahre alt, ist ein Meister der durch ihn geprägten Kunstrichtung des Cool-Paintings. Seinen Bildern haftet eine gewisse Lässigkeit und Einfachheit an. Ein „Eskapist“ sei er, sagt er selbst. Weg aus der rauen Wirklichkeit, hinein in die Traumwelten des alten Hollywood-Kinos möchte er entführen. In seinen Großformaten, die an Kinoleinwände erinnern, gelingt das besonders gut. Deshalb sind sie es auch, die seine Malerei am besten repräsentieren und auf Auktionen entsprechend die höchsten Preise erzielen. Katz arbeitet jedoch auch druckgraphisch: Bereits seit 1951 fertigt er Linol- und Holzschnitte an. Charakteristisch für seine Drucke sind die flachen, expressionistisch wirkenden Farbflächen.

Überholtes neu aufrollen

Doch ehe Katz sein spezifisches Form- und Farbgefühl findet, geht der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in Amerika einen ungewöhnlich konventionellen Weg: Damals, in den späten 1940er-Jahren, als Katz die Kunst entdeckte, war der Abstrakte Expressionismus angesagt. Gegenständliche Bilder, wie sie Katz auf Leinwand pinselte, galten als überholt. Schon während seines Kunststudiums an der renommierten The Copper Union in Manhattan beschäftigt sich Katz mit der künstlerischen Avantgarde des frühen Zwanzigsten Jahrhunderts: Bauhaus und Kubismus. Gleichzeitig entwickelt er eine nachhaltige Faszination für große Formate und die Wirkung von Oberflächen. Der Abschied von New York ist es schließlich, der den entscheidenden künstlerischen Impuls gibt. Katz erhält ein Stipendium für die Skowhegan School of Painting and Sculpture im Bundesstaat Maine. Dort malt er unter freiem Himmel, in der Natur. Leuchtende Farben kommen auf die Leinwand, Licht, Lebendigkeit. Aber wie in den Filmen des alten Hollywood darf es hin und wieder auch melancholisch zugehen. Hauptsache schön.

Verständlich Kunst für alle

Den höchsten Zuschlag auf Auktionen erzielte 2001 „Blue Umbrella #2“, 1972 (244cm x 366cm) bei Christie’s in New York: 600 000 Dollar. Im Mai letzten Jahres tauchte „The Red Scarf (Ada in Polo Coat)“ von 1976 (152,4cm x 121,9cm) bei Sotheby’s auf. Geschätzt war es auf maximal 220 000 Euro, der Hammer fiel bei 340 000 Euro. Dennoch: Während 2013 mehr Arbeiten auf dem Sekundärmarkt verkauft wurden als im Vorjahr, ging der Gesamtumsatz zurück, den Katz’ Werke erzielen konnten - ein Indikator für eine stagnierende bis leicht rückläufige Preisentwicklung. Seinem Stil bleibt Katz nun schon seit sechs Jahrzehnten treu. Fragt man ihn selbst danach, was sein Werk auszeichne, so heißt es: „Ein Naturalist würde großen Wert auf Details legen. Meine Details sind ziemlich einfach“, sagt er. Einfach – das bedeutet auch: zugänglich und für jeden verständlich. Selbst für den, wie Katz findet, „einfachen Mann von der Straße“. Sicher ein nicht ganz unerheblicher Grund dafür, dass seine Werke heute so populär sind.