Kunst. Werte. Leidenschaft.

Happy Birthday, Horst

Der Modefotograf

Wenn es einen König der Modefotografie gäbe, so hätte der deutschstämmige Horst P. Horst sicherlich Anrecht auf diesen Titel. Ein halbes Jahrhundert lang prägten seine Modefotografien den legendären Stil der 'Vogue'. Am 16. August hätte er seinen 109. Geburtstag gefeiert

Es heißt, die Schönen und Reichen haben darum gebettelt, von Horst P. Horst fotografiert zu werden. Vielen hat er diesen Gefallen getan: Yves Saint Laurent, Rita Hayworth, Ginger Rogers, Marlene Dietrich. Horst, geboren am 14. August 1906 in Weißenfels unter dem Namen Horst Paul Albert Bohrmann, wurde mit seinen Fotografien für die Modezeitschrift Vogue bekannt. Der Unternehmer Gert Elfering hat Horst P. Horst noch persönlich kennengelernt. Ihm gehört seit Ende der 1990er Jahre dessen Nachlass, der Horst Estate. „Er war ein außergewöhnlich sympathischer und intelligenter Mann“, erzählt Elfering bei einem Treffen in der Münchner Galerie Bernheimer im Dezember letzten Jahres. Elfering, der eigentlich in Miami lebt, ist zu Besuch in seiner Heimatstadt. Bekannt für seine herausragende Foto-Sammlung, hat er einige der großen Nachkriegsfotografen noch kennengelernt. Etwa Helmut Newton. Oder eben Horst P. Horst, über den er sagt: „Er gehörte nicht zu denen, die zwanghaft auf Künstler machen.“

Vom Model zum Fotografen

Horst studierte (nach einem kurzen Ausflug in die Sinologie) Ende der 1920er Jahre an der Kunstgewerbeschule in Hamburg Architektur. 1930 setzte er dieses Studium bei keinem geringeren als dem Pariser Architekten Le Corbusier fort. In dieser Zeit lernte er auch den Franzosen George Hoyingen-Huene kennen, damaliger Cheffotograf der Vogue. Anfangs stand Horst Modell, bald schon griff er selbst zum Fotoapparat, 1931 erschien die erste von ihm fotografierte Anzeige in der französischen Vogue. Sammler Elfering ist noch heute, 16 Jahre nach seinem Tod, von Horsts Fotografien fasziniert: „Ich will immer die Hintergrundstory kennen. Schauen Sie sich das Foto von Barbara „Babe“ Cushing Mortimer Paley an und lesen Sie sich die Geschichte dieser Frau durch. So stilvoll, immer gut gekleidet, sie hatte alles und war trotzdem nie wirklich glücklich. Und das sieht man ihr an, diese Melancholie. Das liebe ich an Horsts Bildern.“ 1932 folgt der Durchbruch: Horsts Porträt der Tochter von Sir James Hamet Dunn (Kunstmäzen) landet auf dem Cover der britischen Vogue. Drei Jahre später zieht er gemeinsam mit seinem Liebhaber Hoyningen-Huene in die USA, erwirbt die amerikanische Staatsbürgerschaft, dient als Sergeant im zweiten Weltkrieg und legt seinen bürgerlichen Namen ab. 1938 lernt er den Diplomaten Valentine Lawford kennen, mit dem er bis an dessen Lebensende zusammen war. 1939 entsteht sein berühmtestes Bild: Das "Mainbocher-Korsett", eine Frau im Korsett, die der Kamera den Rücken zuwendet. Elfering hat dieses Bild eine Zeit lang besessen, sich 2008 dann aber davon getrennt.

Magier des Lichts

Im letzten Jahr ehrte dann das Londoner Victoria and Albert Museum den Fotografen, der stets nur mit „Horst“ signierte. Die Retrospektive „Horst – Photographer of Style“, zeigte 250 Fotos aus seiner 60-jährigen Karriere. Darunter die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Paris der Dreißigerjahre, wo er unter anderem Lisa Fonssagrives fotografierte. Horst liebte das Spiel mit den Schatten (angeblich zum Missfallen der damaligen Vogue-Chefredakteurin Edna Woolman Chase), und erarbeitete sich damit den Spitznamen „Magier des Lichts.“ „Sie müssen sich vorstellen, dass die Models damals viel länger Porträt stehen mussten“, erzählt Elfering. „Manchmal sind die Bilder deshalb stellenweise unscharf, was heute auf uns anziehend wirken kann. Das Babe-Cushing-Mortimer-Paley-Foto oder der Abzug, der die Cartier-Diamanten zeigt – „Model’s hand wearing a diamond and gold wrist-watch and a ring of sapphires, rubies and diamonds by Cartier“ –, wenn das heute auf einem Magazin-Cover wäre ... supercool!“


NACHFRAGE UND PREISBILDUNG

Von Dezember 2014 bis Januar 2015 zeigte die Galerie Bernheimer in München die Ausstellung „Horst P. Horst – Fashion in Colour“, die neu gedruckte, teils noch nie gesehene Motive zum Verkauf stellte. Blanca Bernheimer über die Farbfotografien von Horst P. Horst am Markt.

Frau Bernheimer, Sie vertreten den Horst Estate seit 2007 in Deutschland und seit Oktober 2014 in ganz Europa, Großbritannien ausgenommen. Wie schätzen Sie seitdem das Käuferinteresse an den Bildern ein?

Wir haben bereist einige Bilder aus der Ausstellung verkauft. Und wir hatten auch schon vorab sehr viele Anfragen von überall her, als wir bekannt geben durften, dass wir die erste Galerie sein werden, die diese Farbfotografien in einer Verkaufsausstellung zeigt.

Die Abzüge in Ihrer Galerie sind kein Vintage-Material, sie wurden erst 2014 gedruckt. Wie legt man da den Preis fest?

Die Negative waren seit den 1940er-Jahren im Condé-Nast-Archiv, und es sind nie zuvor Abzüge davon gemacht worden. Es gibt also gar kein Vintage-Material. Nur aus diesem Grund hat der Horst Estate entschieden, posthum diese Abzüge herzustellen und auch zu verkaufen. Über die Preisgestaltung haben sie sich sehr viele Gedanken gemacht, denn am Markt wird natürlich auch immer wieder kontrovers diskutiert, ob neue Auflagen angeboten werden dürfen. Ich denke, es ist sehr fair gehandhabt worden: Die Bilder kosten ab 8000 US-Dollar und sind auf kleine Auflagen von je zehn Stück limitiert worden. Sicherlich werden sich diese Preise in den kommenden Jahren nach oben entwickeln.