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Top Ten: Teuerste lebende Künstler

Koons und Richter dominieren

Auktionsmarkt: Das sind die teuersten unter den Hammer gekommenen Bilder lebender Künstler – drei Mal Koons, vier Mal Richter: Viel Platz für andere Namen bleibt da nicht. Mit welchen Werken konnten die Blue-Chips punkten?

Nummer 1: Jeff Koons’ (*1955) „Balloon Dog (Orange)“ (1994-2000) wurde am 12. November 2013 bei Christie's New York für 38 859 600€ versteigert.

„Balloon Dog“ war der erste der bunten Hochglanz-Pudel, der in einer Auktion unter den Hammer kam – eingeliefert von keinem geringeren als Multimillionär Peter Brant. Übrigens: Auch alle anderen Pudel schmücken wohlbehütet die Gemächer (oder zumindest die Lagerhallen) von Elitesammlern. Werden Christie’s-Besitzer François Pinault, Eli Broad aus Los Angeles, Dakis Joannou aus Athen und Hedgefonds-Krösus Stephen Cohen ihre Pudel in den Markt geben, um die Gewinne mitzunehmen? Koons, dessen Reputation im Crash von 2008 zu wackeln begann, hat mit diesem Rekordpreis für einen lebenden Künstler seine Führungsrolle im Geschäft zeitgenössischer Kunstfabrikation bestätigt.

Nummer 2: Gerhard Richters (*1932) „Abstraktes Bild“ (1986) fand am 10. Februar 2015 bei Sotheby's New York für 36 328 500€ einen neuen Besitzer.

„Es ist schon ziemlich gut“, sagte Gerhard Richter in einem Interview über dieses Werk. Preise wie diesen findet er angeblich ja trotzdem „schockierend“ und warnte: „Was heute noch gefeiert wird, kann morgen schon abstürzen.“ Was Richter betrifft, ist das sicherlich vorerst nicht zu befürchten – obwohl es schwierig ist, bei der Masse an auktionierten abstrakten Arbeiten den Überblick zu behalten. In diesem Fall wollte der Käufer (der US-amerikanische Hedgefonds-Manager Kenneth C. Griffin) „nur das Beste haben“, berichtete Sotheby’s Expertin Cheyenne Westphal.

Nummer 3: Jasper Johns’ (*1930) „Flag“ ging am 11. November 2014 in der New Yorker Dependance von Sotheby's für 25 676 800€ über den Tisch.

Seien Sie ehrlich: An was denken Sie, wenn Sie den Namen Jasper Johns hören? An seine ikonische amerikanische Flaggen? Wir auch. Diese Flagge überstieg den Schätzpreis der Auktion um einiges: Bei Sotheby’s New York glaubte man, höchstens 16 000 000 Euro dafür zu bekommen. Der anonyme Sammler legte noch mal neun Millionen drauf. God Bless America.

Nummer 4: Gerhard Richters (*1932) „Domplatz, Mailand [Cathedral Square, Milan]“ (1968) kam am 14. Mai 2013 bei Sotheby's New York für 25 436 400€ unter den Hammer.

2013 war das der neue Rekordpreis: Gerhard Richter wurde zum teuersten lebenden Künstler. Seitdem ist einiges passiert, der Amerikaner Jeff Koons ist die neue Nummer Eins. Damals kommentierte Sotheby’s-Auktionator Tobias Meyer die Auktion sei „eine großartige Leistung“. Meinte er die Kunst des Malers, seine eigene Leistung als Auktionator oder die Einsatzfreude des kalifornischen Weinbauers Don Bryant? Dieser ersteigerte das gute Stuck, da er „Kunst liebe“. Wer tut das nicht. Vorher hing das Bild jahrelang im Siemens-Büro in Mailand. 1998 wurde es in London an die Pritzker-Familie versteigert, die es auf Rechnung ihrer Hyatt-Hotelkette kaufte: Sie zahlten 2,2 Millionen Pfund. Eine Wertsteigerung, die fast sprachlos macht.

Nummer 5: Cui Ruzhuos (*1944) „Landscapes“ (2013) wurde weder bei Sotheby’s oder Christie’s, sondern am 6. April 2015 bei Poly Auction Ltd in Hongkong für 23 680 000€ versteigert.

Fast drei Meter mal 1,5 misst das monumentale Werk des chinesischen Künstlers – zusammengesetzt aus acht aneinanderreihenden Bildern. Als ehemaliger Student des chinesischen Künstlers Li Kuchan ist Cui für seine unglaubliche Handfertigkeit bekannt. Noch stammt Cui Ruzhuous Käuferschaft vorwiegend aus dem chinesischen Raum: 63 Prozent der Verkäufe fanden bisher in Hongkong statt. Allein 2014 setzte er einen Auktionsumsatz von 49 536 159 Euro um.

Nummer 6: Wieder ein Jeff Koons (*1955): „Tulips“ (1995-2004) wurde am 14. November 2012 bei Christie's  New York für 23 631 000€ verkauft.

Vielen Dank auch für die Blumen! Das dachte sich 2002 wohl die Landesbank NordLB, als sie den fünf Meter großen Blumenstrauß für den Innenhof ihrer Zentrale in Hannover für 2,5 Millionen Dollar kaufte. Den Gewinn den das selbstverständlich hochglänzende Blumenstück erzielte, überführte die Bank in eine Kulturstiftung. Koons’ Markt rehabilitierte der Verkauf 2012 mit einem Paukenschlag.

Nummer 7: Ohne den deutschen Gerhard Richter (*1932) geht gar nichts. „Abstraktes Bild“ wurde am 12. Oktober 2012 bei Sotheby’s London für 23 617 000€ versteigert. 

Richter ist in – und schießt mal wieder über die Erwartungen hinaus. Was soll man da noch sagen?

Nummer 8: Gerhard Richters (*1932) „Abstraktes Bild“ (648-3) (1987) kam am 12. November 2014 bei Christie's New York für 22 523 200€ an.

Und noch ein Richter: Das 225 cm x 200 cm große, in rot, gelb und blau gehaltene Gemälde wurde zuletzt öffentlich in der Ausstellung „Die Epoche der Moderne. Kunst im 20. Jahrhundert“ im Berliner Martin-Gropius-Bau im Jahre 1997 gezeigt. Ob es damals schon so viel wert war?

Nummer 9: Und noch ein Jeff Koons (*1955). „Jim Beam - J.B. Turner Train“ (1986) wurde am 13. Mai 2014 bei Christie's New York für 21 801 000€ versteigert.

„Holy shit! I thought. I really like some of these! He is, in fact, an artist and not an overhyped hot dog. Or at least not only a hot dog.“ So der berüchtigte Kunst- (und Koons-)Kritiker Jerry Saltz über den vielleicht umstrittensten und doch gefeierten Amerikaner. Der Markt liebt Koons: In gleicher Auktion wurde auch noch seine „Popeye“ Skulptur für rund 18 Millionen Euro versteigert.  Übrigens war auch die ganze Auktion ein Erfolg: Christie’s konnte eine Gesamteinnahme von 765 Millionen Dollar verbuchen.

Nummer 10: Last but not least: Ed Ruschas (*1937)„Smash“ (1963) verkaufte sich am 12. November 2014 bei Christie’s New York für 21 718 800€.

Platz Nummer zehn gehört nicht Koons und auch nicht Richter – sondern dem 77 Jahre alten Edward Joseph Ruscha. 2014 setzten die Arbeiten des US-amerikanischen Malers, Grafikers, Fotograf und Filmemachers insgesamt 31 Millionen Euro um. Das Gemälde, das der Schriftzug „Smash“ ziert, trug dazu beträchtlich bei.

Quelle: Artprice.com