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Producers Art Fair in Hamburg

Kein gewöhnlicher Marktplatz

Die junge Produzentenkunstmesse P/ART – Producers Art Fair will nicht um jeden Preis verkaufen. Warum die Messe trotzdem funktioniert und was die Künstler davon haben, erklären die Macher der P/ART im Interview

Bereits in die dritte Runde geht in diesem Jahr die Producers Artfair, kurz P/ART, die am 24. September in Hamburg die Tore öffnet. Die junge Messe hat es sich zum Ziel gesetzt, den Mehrwert kreativer Prozesse der Wirtschaftlichkeit der Fair voranzustellen. Wie und ob das überhaupt funktionieren kann, erklärt Mitgründer Justus Duhnkrack im Interview.


Artcollector: Was unterscheidet die P/ART von anderen Messen?

Justus Duhnkrack: Die P/ART macht einen Doppelcharakter aus Ausstellung und Messe aus. Die Messe an sich ist lediglich eine Handelsplattform, ein Marktplatz der Angebot und Nachfrage miteinander zusammenbringt. Unser ideeller Anspruch und gleichzeitig Alleinstellungsmerkmal ist es, dass wir darüberhinaus auch die Rahmenbedingungen für eine Ausstellung schaffen. Das bedeutet, dass wir die Positionen auf der P/ART nicht den üblichen Marktprinzipien unterwerfen.

Inwiefern?

Dadurch, dass wir von den Künstlern keine Standmiete oder ähnliche Fixkosten verlangen, können auch marktuntaugliche Arbeiten ausgestellt werden. Dazu kann man Performances, ortsspezifische Arbeiten oder temporär angelegte Konzpetkunst zählen, die von keinem Sammler oder Interessenten gekauft werden können. Diese Positionen sind aber dennoch auf der P/ART vertreten, da unsere Jury nicht an die Vorgabe der Verkäuflichkeit gebunden ist, sondern frei nach ihrem Ermessen auswählen kann was neu, ungewöhnlich oder avantgardistisch ist.

Nach welchen Kriterien wählt ihr Künstler aus? Haben die Künstler schon Galerien?

Nach dem einmonatigen offenen Bewerbungsaufruf der P/ART tritt die Jury zusammen, um über eine Vorauswahl von 200 Bewerbungen aus knapp 600 Einsendungen aus dem In- und Ausland zu entscheiden. Das Auswahlverfahren der P/ART sieht vor, dass die Jury nach einer Sichtung sämtlicher Portfolios in zweidrittel Entscheidungen Bewerber auswählt. Zu jeder Zeit besteht für die Juroren auch die Chance durch Einzelvoten einen Bewerber gegen das Stimmengewicht der anderen Juroren zu verteidigen. Bezeichnend ist, dass trotz einer immer wechselnden Jury manche wenige Künstler schon zum dritten mal in Folge ausgewählt haben, so dass die Qualität ihrer Arbeiten sich offenbar nachhaltig bestätigt hat.

Ihr schreibt: Die P/ART will eben nicht um jeden Preis verkaufen. Was meint ihr damit? Wie könnt ihr euch finanzieren, wenn es nicht prinzipiell darum geht, zu verkaufen? Gehen die 25 Prozent an euch?

Unser Erfolgsparameter ist nicht ausschließlich die Verkaufszahlen. Da wir eine marktunüblich geringe Provision nehmen kann der Verkauf ohnehin nicht als alleinige Finanzierungssäule funktionieren, insbesondere in Anbetracht der vielen marktuntauglichen Kunst. Die Provision geht in die Finanzierung der Messe, den gemeinnützigen P/ART e.V. In erster Linie sind natürlich unsere Kosten dadurch untypisch gering, dass das ganze Team ehrenamtlich arbeitet. Uns ist wichtig: Wie viele Besucher konnten wir für die Messe begeistern? Wie viele Besucher und Künstler haben in den partizipativen Formaten wie Diskussionsrunden, Führungen und Gesprächen mitgemacht? Letztendlich ist aber natürlich nicht  zu leugnen, dass wir uns auch mit den Verkaufszahlen beschäftigen, ein wesentlicher Anreiz ist selbstverständlich den Künstlern eine Erwerbsmöglichkeit zu verschaffen, die ohne eine permanente Galerievertretung auskommt. Die meisten jungen oder auch erfahrenen Künstler leben in einer Prekariatssituation, die auf Dauer nicht ohne andere Jobs zu bewältigen ist. Sobald ein Künstler sich aber (überwiegend) der üblichen Erwerbswirtschaft widmen muss geht viel kreative Energie verloren.


Die P/ART findet vom 24. bis zum 27. September in den Phönix-Industriehallen in Hamburg-Harburg statt. In diesem Jahr waren in der Jury: Bettina Steinbrügge (Hamburg, Kunstverein), Gesa Engelschall (Hamburg, Hamburgische Kulturstiftung), Julius Heinemann (London, Künstler), Antje Stahl (Berlin, Autorin), Clemens Rating (Hamburg, Musiker), Sebastian Ruess (Hamburg, Galerist).