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Alexander Pröpster, Preisträger des Hiscox Kunstpreis 2015 vor "Vögel und Steine, Holzwegbeschreibung Nr. 505", Teil 1/3, 2015 © Edward Greiner 

Alexander Pröpster gewinnt Hiscox Kunstpreis 2015

Auf Spurensuche

Der Hiscox-Kunstpreis geht in diesem Jahr an den jungen Maler Alexander Pröpster. Er konnte die Jury mit der Aufzeichnung einer kryptischen Fährtensuche überzeugen. Artcollector traf den 32-Jährigen nach der Preisverleihung

Einmal im Jahr verleiht der Spezialversicherer Hiscox in Hamburg den mit 7.500 Euro dotierten Kunstpreis an einen Studenten oder eine Studentin der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg. In diesem Jahr setzte sich Alexander Pröpster gegen elf Wettbewerber durch. „Die prämierten Arbeiten von Alexander Pröpster zählen zu den zurückhaltenden in der Ausstellung. Und doch hat der Dreiklang aus Fotografie, Topographie und Energie die Jury sofort überzeugt und zu einem einstimmigen Urteil geführt,“ so die Begründung der Jury.
Pröbsters Gewinnerarbeit ist eine Art Gedächtnishilfe: In Handarbeit hat der 32-Jährige zahlreiche Wörter und kleine Geschichten mit Öl auf Papier geschrieben. Entstanden ist die Arbeit „Holzwegbeschreibung“ nur, weil Pröpster fast zwei Jahre nahezu täglich im Wald fotografierte, notierte, Spuren suchte. „Es ist der Versuch, einer ganz bestimmten Fährte zu folgen,“ so der junge Künstler. „Ursprünglich war das gar nicht als Kunst gedacht, ich habe bloß meinen Hund gesucht.“ Er lacht verlegen, bevor er dann doch ausholt und von seinen Ausflügen erzählt, die zu eben jenem zwei Jahre andauernden Prozess wurden. „Ich habe versucht die Gegend zu verstehen. Was für Tiere sind da? Zu welchen Zeiten? Und wie verhalten sie sich untereinander?“ Daraus ist eine rund 500 Arbeiten umfassende Werkreihe geworden, aus der nur ein Bruchteil jetzt im Kunsthaus gezeigt wird. Für die Beschriftung der „Holzwegbeschreibung“ (siehe Bild), die 450 x 210 cm groß ist, hat er fast vier Wochen gebraucht. „Ich hatte einfach das Bedürfnis, alles zusammenzuschreiben.“

Eine einfache Entscheidung

Alexander Pröpster setzt Rechercheergebnisse und Fundstücke neu zusammen – das hat die Jury überzeugt. Robert Read, Head of Fine Art bei Hiscox: „Es war eine einfache Entscheidung, wir waren uns in der Jury alle einig.“ Das sei in den letzten Jahren nicht immer so gewesen, wie Read erzählt, der selber vor seine Karriere bei Hiscox als Künstler arbeitete, sich jetzt aber mit einem Augenzwinkern nur noch als „failed painter“ bezeichnet.
Hiscox und der HfbK ist es gelungen, auch in diesem Jahr wieder ein ganz besonderes Event in Hamburg zu schaffen – trotz dem üblichen Regenwetter. Rund 350 Gästen erschienen, sodass es zeitweise ganz schön eng wurde. Dafür tummelte sich aber auch die gesamte Hamburger Kunstszene durch die Halle, etwa der Sammler Christian Holle vom Salon der Gegenwart, Kunstberater Tilman Kriesel oder Andrea von Goetz und Schwanenflies, die gemeinsam mit Künstler Tim Eitel, Swantje Karich (DIE WELT), Dr. Susanne Meyer-Büser (Kunstsammlung NRW), Johanna Neuschäffer (EIGEN + ART Lab) und Robert Read der Jury beiwohnte.


Die Arbeiten aller zwölf für den Hiscox Kunstpreis nominierten HFBK-Studierenden – Adrian Altintas, Charlotte Arnhold, Roman Barkow, Ting-Jung Chen, Jakob Engel, Gina Fischli, Roman Gysin, Nico Lillo, Alexander Pröpster, Gustav Rieck, Malte Stienen und Sebastian Wiegand – sind bis einschließlich Sonntag den 8. November im Kunsthaus Hamburg zu sehen.