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Musée Rodin Paris

Kunst-Hotel

Das Musée Rodin zählt zu den schönsten Museen in Paris. Das ist auch nach fast hundertjährigem Bestehen immer noch ein Geheimtipp. Nun wurde das Museum nach zehnmonatiger Umbauzeit wiedereröffnet – und zeigt Werke des Bildhauers, die noch nie zuvor zu sehen waren

Paris ist ja nicht gerade arm an historischen Gebäuden. Umso schöner sind die, wenn sie nicht nur die Atmosphäre vergangener Jahrhunderte heraufbeschwören, sondern auch noch Kunst ausstellen. Das unweit der Seine hinter dem Place des Invalides gelegene Hôtel Biron ist so ein Ort. Seit 1919 beherbergt die herrschaftliche Villa das Musée Rodin Paris – das heute, nach 10-monatiger Umbauszeit, erstmals wieder seine Türen öffnet.

Zu behaupten, das Museum sei ein Geheimtipp, wäre angesichts seiner fast hundertjährigen Geschichte wohl zu gewagt. Aber man trifft selbst unter Kunstliebhabern immer wieder solche, die noch nie dort waren. Dabei wäre das Anwesen selbst  dann ein faszinierender Ort, wenn Auguste Rodin hier nicht von 1908 bis zu seinem Tod 1917 ein Atelier bezogen hätte.

Als die herrschaftliche Villa 1727-37 erbaut wurde, lag das heute so zentral hinter dem Place des Invalides gelegene Gebäude am Stadtrand von Paris. Im 18. und 19. Jahrhundert wechselte es mehrmals den Besitzer, beherbergte Adelige, den russischen Botschafter, einen katholischen Orden. Ab 1905 zogen Künstler ein, unter ihnen Jean Cocteau, Henri Matisse, Isadora Duncan und Clara Westhoff. Dass Rilke 1905/06 als Sekretär Rodins arbeitete, ergänzt die Liste der Bewohner und Gäste des Hôtel Biron um einen weiteren großen Namen.

Rodin, der damals bereits 71-jährige Künstler, setzte 1911 gegenüber dem französischen Staat, in dessen Hände das Haus inzwischen übergegangen war, ein lebenslanges Bleiberecht durch. Dafür vermachte er dem Staat seinen kompletten künstlerischen Nachlass und verfügte, dass dieser im Hôtel Biron öffentlich zugänglich gemacht werden müsse.

Mit etwas Fantasie kann man sich in den großen, lichtdurchfluteten Räumen auch heute noch gedanklich in die Zeit zurückversetzen, zu der Rodin hier lehrte und arbeitete. Zumal der 16 Millionen Euro teure Umbau auch darauf abzielte, den damaligen Zustand der Räume erfahrbar zu machen. Ein Raum wurde so wiederhergestellt, wie Rodin ihn damals bewohnte. Ein neuer Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich der künstlerischen Entwicklung des Bildhauers, erstmals werden außerdem einige Gipsmodelle zu sehen sein, die bislang eingelagert waren. Die Skulpturen im drei Hektar großen Park des Anwesens hat Rodin übrigens noch selbst platziert. Nach dem Museumsbesuch raus in den Garten gehen, noch einmal Rodins so zeitlose wie moderne Werke bestaunen, und die Rückkehr in die Alltagshektik noch etwas aufschieben.