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Messedirektor Oliver Lähndorf. Copyright: Kathrin Brunnhofer Fotografie 

Vierte Affordable Art Fair in Hamburg

Laut, bunt, anders

Bereits zum vierten Mal findet im November die Affordable Art Fair Hamburg statt. Artcollector sprach mit Messedirektor Oliver Lähndorf über die Kunst, ein junges Publikum für sich zu gewinnen

1999 wurde die Affordable Art Fair in London von Will Ramsay gegründet. Das Ziel: Gute Kunst für erschwingliche Preise an den Mann zu bringen. Ein Erfolg für den damaligen Galeristen, bereits zur ersten Ausgabe kamen 10.000 Besucher in den Londoner Battersea Park. Seitdem hat die Affordable Art Fair zahlreiche Ableger, unter anderem in New York, Seoul, Bristol, Stockholm, Amsterdam, Singapur und seit 2011 auch in Hamburg. In den Metropolen lädt die Messe jährlich Besucher dazu ein, Arbeiten junger, aufstrebender Künstler anzusehen und diese auch mit nach Hause zu nehmen. Das Besondere: Die Preise der Arbeiten dürfen 7.500 Euro nicht übersteigen. Das funktioniert auch in der Hansestadt: 2014 besuchten 17.000 Menschen die Messe, die über 2,2 Millionen Euro einspielte und jährlich eine Steigerung von etwa 20 Prozent verzeichnet. Oliver Lähndorf, der seit 2000 als Kulturmanager unter anderem für die Deichtorhallen, das Filmfest Hamburg oder die Photo+Art Book Hamburg zuständig war, leitet die Hamburger Messe seit ihrer ersten Ausgabe 2011.


Artcollector: Die Affordable Art Fair feiert in diesem Jahr ihren vierten Geburtstag. Was hat sich seit dem ersten Jahr verändert?

Angefangen haben wir damals mit 55 Galerien, jetzt sind es 75. Wir wollen jedes Jahr die Qualität steigern und die inhaltliche Orientierung ernst nehmen. Wir versuchen jedes Jahr, noch professioneller zu werden. In diesem Jahr zeigen wir elf Hamburger Galerien, die in einer kuratierten Ausstellung Kunstwerke präsentieren. Die Arbeiten stehen zum Verkauf, hängen aber wie in einer klassischen Ausstellung bis zum Ende der Messe. Da wollten wir noch einmal eine andere Präsentationsform innerhalb der Messe finden. Zudem zeigen wir noch die Emerging Artists, junge Künstler der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der wir eine Plattform bieten möchten. Wir haben jedes Jahr um die 150 Bewerbungen, es kommen also auch immer ein paar neue Galerien dazu, diesmal sogar einige aus Asien. Das ist eine schöne Entwicklung.

Was bringt eine Galerie aus Japan nach Hamburg?

Das ist natürlich auch die Firma von Will Ramsay, die hinter der Affordable Art Fair steht. Viele der internationalen Aussteller sind auch in New York, Singapur und Hongkong Kunden. Das bringt die asiatischen Aussteller auch zu uns.

Auf der Affordable gibt es Kunst bis zu 7.500 Euro – früher waren es nur bis 5.000 Euro. Warum?

Das hat zwei Gründe. 1999 fand die erste Affordable Art Fair statt. Bis 2013 war das Preislimit in London und Amsterdam – und auch bei uns – 5.000 Euro. Aber dann kam die unsägliche Mehrwertsteuererhöhung von Galerien. Dadurch ist es schwierig geworden, weil die Galerien 12 Prozent mehr Mehrwertsteuer berechnen müssen. Da wollten wir gegensteuern und haben die Preisgrenze für die Galerien gelockert. Wir wollten ein Signal setzten, gegen die Mehrwertsteuererhöhung für Galerien. Denn darunter leiden die deutschen Galerien. Das kam bei ihnen gut an. Und die Hamburger Besucher haben es auch akzeptiert.

Ist noch Luft nach oben beim Preislimit?

Erst einmal bleiben wir bei diesem Preisgefüge. In Deutschland wird sowieso ein Großteil der Kunst unter 8000 Euro verkauft.

Warum ist die Affordable damals nach Hamburg gekommen und nicht in die Hauptstadt, die ja auch als Kapitale der Kunst gefeiert wird in Deutschland?

Das hat vor allem einen ökonomischen Grund. Naja, und ich bin Hanseat und liebe Hamburg, auch das war ein Grund.  Ich hatte gerade in den Deichtorhallen Hamburg in Zusammenarbeit mit F.C. Gundlach eine internationale Fotobuchmesse ins Leben gerufen. So ist Ramsay Fairs Ltd. auf mich aufmerksam geworden. Sie versuchten schon länger nach Hamburg zu kommen, hatten aber keinen Veranstaltungsort gefunden. Ich habe dann auch Berlin, München und Köln besucht, aber wir sind bei Hamburg gelandet. In Berlin ist relativ wenig Geld. Eine tolle Stadt, aber eine andere Einkommensstruktur. Wie sagt man über Berlin? Arm, aber sexy. München war zu schwierig. Und in Köln gibt es schon so viele Messen und nicht genügend Standorte. Die Kollegen von der Art.Fair haben ja auch schon oft den Standort gewechselt.

Das Publikum der Affordable ist überraschend jung. Liegt das an den Preisen? Wie schaffen Sie es, junge Kunstinteressierte zu gewinnen?

Wir gehen anders vor. Wir sind laut, bunt, anders. Jede Messe verpackt Kunst – wir machen es eben in pink. Jeder ist willkommen, das ist unsere Einstellung. Kultur sollte für alle da sein. Besonders die Hamburger Szene muss sich den jungen Leuten zwischen 20 bis 45 öffnen. Es gibt viele Galerien in Deutschland, die die Jungen nicht abholen. Wir freuen uns über jeden Besucher. Bei uns muss man nicht Kunstgeschichte studiert haben, um etwas kaufen zu dürfen.

Inwiefern?

Sie sind zu teuer. Menschen zwischen 20 und 45 geben nicht unbedingt 5000 Euro aufwärts für ein Kunstwerk aus. Wir bewegen uns in einer Kunstwelt, in der man bei aberwitzigen Preisen schnell den Bezug zur Realität verliert. Das sieht man grade etwa bei Uecker und der Zero-Szene. Natürlich bringen die Galerien auch Zero oder immer mal auch einen Hirst mit. Das ist schön für die Mischung. Vor allem gibt es aber viele Nachwuchstalente, die man sich leisten kann.

Wenn ich nur 100 oder 200 Euro habe. Finde ich dann trotzdem etwas?

Natürlich muss man da etwas genauer gucken, Galerie Bleach Box  aus Cambridge etwa hat immer etwas in diesem Bereich, Gudberg Nerger und die Millerntor Gallery aus Hamburg auch. Ich habe einige Freunde die sagen, da ist doch nur was für 3000 Euro bei euch. Ich sage, dass man etwas genauer stöbern muss.



Art Talks

In diesem Jahr finden zum zweiten Mal die ART TALKS in Kooperation zwischen Artcollector und der Affordable Art Fair statt. Die Diskussionsrunden wollen den Kunstmarkt durchleuchten: Wie gelingt der Einstieg? Wie die Annäherung an zeitgenössische Kunst? Und was macht eine gute Sammlung aus? Diese und weitere Fragen werden mit Experten diskutiert. Das Programm richtet sich an Neugierige ebenso wie an langjährige Sammler und erfahrene Kenner.

Freitag, 20. November 2015 um 17.00 Uhr
Neue Kunst in Hamburg e.V.
Gast: Katharina Bittel (Vorstand Neue Kunst in Hamburg e.V.)

Samstag, 21. November 2015 um 17.00 Uhr
Kunststandort Hamburg
Gäste: Inga Wellmann (Kulturbehörde Hamburg), Renate Kammer (Galerie Renate Kammer), Oliver Lähndorf (Kulturmanager)

Moderiert werden die Art Talks von Andrea Maier (Artcollector)

Die Affordable Art Fair findet vom 19. bis zum 22. November 2015 in der Hamburg Messe statt.