Kunst. Werte. Leidenschaft.

Robert Ketterer  

Collecting

Mitten in der Trendwende

Im Interview erklärt der Münchner Robert Ketterer, Auktionator und Inhaber von Ketterer Kunst, warum der Markt, insbesondere im Bereich Nachkriegskunst, oft wie leergefegt wirkt - und welche Epochen bald preislich aufholen könnten.

Herr Ketterer, vor einigen Jahren führten wir schon mal zusammen ein Interview. Ich erinnere mich, darin ging es u.a. um die Frage, wie man den Riesen unter den Auktionshäusern entgegentritt... etwa indem man sich mit vielen kleinen und mittelgroßen Auktionshäusern verbündet. Was ist aus dieser Idee geworden?

Wir haben diese Idee damals sehr zügig umgesetzt und die Münchener Auktionswoche ins Leben gerufen. Damit haben wir es unseren Kunden leichter gemacht, das gesamte Angebotsspektrum vor Ort in Augenschein zu nehmen, ohne dass sie dafür mehrmals anreisen müssen. Das kam sehr gut an. Daher koordinieren wir auch heute noch unsere Termine mit den Münchener Kollegen und kommunizieren sie über eine gemeinsame Website. Darüber hinaus ist es aber auch sehr wichtig eine eigene Nische zu besetzen und den Kunden etwas ganz Besonderes zu bieten, das sie sonst nirgends bekommen können. Diesen Fokus entwickeln wir ebenfalls ständig weiter.

Worin sehen Sie heute die größte Herausforderung für sich und für das Auktionswesen allgemein?

Die Hauptaufgabe liegt nach wie vor darin, qualitativ hochwertige Kunst zu akquirieren. Dies wird zunehmend schwieriger, da es aufgrund der aktuellen Niedrigzinspolitik keine attraktiven Investitionsalternativen gibt und derzeit eher weniger Sammler ihre Werke verkaufen wollen. Viele Top-Objekte, gerade im Bereich der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, befinden sich zudem in Museen, Stiftungen oder Sammlungen, die kein Interesse am Verkauf haben, und so wirkt der Markt oft wie leergefegt. Darüber hinaus machen uns auch politische Novellen wie das Kulturgutschutzgesetz das Leben nicht gerade leichter. Im Gegenteil, der bürokratische Mehraufwand ist enorm.

Sie haben diesen Charme eines Ski-Lehrers, der sie einst werden wollten. Hilft das beim Verkauf? Und was machen Sie, wenn Sie mal schlechte Laune haben und auktionieren müssen?

(Robert Ketterer lacht) Ein gewisser Charme ist immer gut und das in jedem Bereich. Das hebt die Stimmung sowohl beim Gegenüber als auch bei mir, und davon profitieren alle. Was die Auktionen betrifft, so finden diese an vier Hauptterminen im Jahr statt. Da haben wir im Vorfeld über Monate ganz viel Arbeit investiert. Es wurde recherchiert, katalogisiert, fotografiert, getextet, gelayoutet und geworben. Hochwertige Kataloge wurden verschickt und die Kunstwerke selbst gingen zur Vorbesichtigung auf Reisen durch ganz Deutschland. Ich kenne die Verkäufer und deren Geschichte. An jedem einzelnen Objekt hängt inzwischen so viel Herzblut, dass es hier keinen Raum für schlechte Laune gibt, denn unmittelbar vor der Auktion ist die Hauptarbeit gemacht, und ich freue mich in diesem Augenblick nur noch auf’s Auktionspult und die knisternde Stimmung im Saal. Schließlich gilt es dann oft, in nur wenigen Sekunden den bestmöglichen Preis für jedes einzelne Werk zu erzielen. Das bin ich meinem Auftraggeber schuldig, und es macht mir außerdem ungeheuren Spaß.

Networking ist fürs Auktionsgeschäft besonders wichtig. Was bedeutet das konkret: Ihre echten Freunde sind auch ihre Geschäftskunden? Oder hat man keine Zeit mehr für ein Privatleben?

Fast allen unseren Kunden, den Verkäufern und Käufern - überhaupt den Sammlern - ist die Beschäftigung mit Kunst und vor allem mit ihren Kunstwerken eine echte Herzensangelegenheit. Daher sind unsere Geschäftsbeziehungen immer etwas enger als in manchen anderen Branchen, gegründet auf Vertrauen und Verpflichtung. In diesem Sinne sind wir gesellschaftlich dann auch recht gut vernetzt. Die Liebe zur Kunst eint uns alle.

Was gefällt Ihnen persönlich an Ihrem Job am meisten?

Ich liebe es, mit Menschen und mit schönen Dingen zu arbeiten. Und auch wenn ich durch und durch Bayer bin, so bin ich doch unheimlich gern auf Reisen, um lerne Neues kennenzulernen. All das lässt sich in diesem abwechslungsreichen und vielseitigen Beruf hervorragend verbinden.

Und für welche Kunst und Künstler schlägt gerade Ihr Herz? Gab es da auch Veränderungen im Geschmack in all den Jahren?

Ich bin mit der Kunst der deutschen Expressionisten aufgewachsen. Das liegt mir quasi im Blut, aber auch die Nachkriegskunst und die Zeitgenossen finde ich äußerst spannend.

Was haben Sie noch bis Jahresende im Programm? Gibt es irgendwelche Rosinen, denen Sie nachjagen? Und welche Auktion in Ihrem Hause würden Sie Einsteigern empfehlen?

Wir haben tatsächlich schon einige Rosinen für unsere Jahresendauktionen in petto. In der Kunst des 19. Jahrhunderts glänzen besonders Franz von Stuck und Karl Hagemeister. Außerdem wurden uns bereits erlesene Klassiker von Emil Nolde bis Gerhard Richter anvertraut. Ein besonderes Highlight wird zudem eine ganz außergewöhnliche Sammlung einer sehr bemerkenswerten Frau sein, die hochkarätige Werke der ZERO-Künstler mit feinsten Jugendstilwerken kombinierte – und dies mit stilsicherem Auge und großer Leidenschaft.

Die Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst bricht immer mehr Rekorde. Indes gibt es Epochen wie das 19. Jahrhundert, die in unteren Preisregionen dümpeln - obwohl die Maler für die Kunstgeschichte von großer Bedeutung sind. Wird sich da der Trend mal ändern?

Wir sind bereits mitten in der Trendwende angekommen und erleben gerade die dringend notwendige Abkehr vom Hype der Nachkriegs- und zeitgenössischen Kunst. Endlich findet man wieder zurück zu einem gesunden Realismus in diesem Bereich. Zwar ist die Nachfrage nach Werken aus dieser Zeit noch immer hoch, doch gleichzeitig steigt auch wieder das Interesse an der Kunst des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne. Der Trend des ersten Halbjahres dürfte sich auch im Herbst fortsetzen: Gute Qualität findet immer ihre Käufer und der bestehende Mangel, vor allem im Bereich der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, dürfte für spannende Steigerungen sorgen.

http://www.kettererkunst.de/