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„Das gehört einfach zum französischen Grand Gôut“

Moritz Freiherr von der Heydte, Direktor für Artcurial Deutschland, erklärt warum Luxusgüter in Paris oder Monte-Carlo viel bessere Preise erzielen als in Deutschland

Er begann seine Karriere bei Sotheby’s in London, einem der weltweit stärksten Auktionsriesen. Dann wechselte Moritz von der Heydte an ein kleineres, aber nicht weniger feines Haus. Artcurial, gegründet 2002 in Paris. Seit Herbst 2015 führt der Kunstexperte für Artcurial eine Dependance in München. Er sorgt für einen Hauch französiches Flair in Bayern und bringt deutschen Sammlern nahe, wie sie von den Begierden der Franzosen profitieren können.
Artcollector: Herr von der Heydte, Artcurial verkündete am Standort München im Halbjahr 2017 verglichen mit dem Ergebnis im Halbjahr 2016 ein Wachstum von sechs Prozent. Was bedeutet das und was zeichnete sich für 2018 ab?
Moritz von der Heydte: Wir in München betreiben reine Akquise für die Auktionen in Paris und Monte-Carlo, Hongkong oder Marrakesch. Natürlich finden bei uns auch Previews von Highlights kommender Auktionen statt oder wie im Dezember Wohltätigkeitsauktionen. Sonst geht es aber um Kundenkontakte. Mit einer internationalen Kundschaft in Höhe von 75 Prozent richtet Artcurial sein Augenmerk weiterhin auf die Entwicklung der Büros ausserhalb Frankreichs. Das Jahr 2017 war in besonderer Weise durch das Hinzustossen von Emilie Volka, als Direktorin für Italien, und Louis Grandchamp des Raux, als International Consultant, gekennzeichnet. Die Energie der Europäischen Büros von Artcurial ist enorm wichtig. Unser Ziel ist es, dass die Europäischen Büros von Artcurial, ohne Paris, in den kommenden Jahren Prozent zur Gesamtaktivität des Hauses beisteuern.

Inwiefern sind die Münchner oder allgemeiner die deutschen Sammler so wichtig als Lieferanten für den internationalen Markt?

Die Dichte an Sammlern und an Kunst, aber auch an Luxusgütern, die für unser Haus eine große Rolle spielen, ist im süddeutschen Raum sehr hoch. Und es befinden sich viele Sammlerstücke hier, die für Paris oder Monte-Carlo absolut geeignet sind. Natürlich gibt es dann Arbeiten wie die Bilder der Münchner Schule, die besser in Süddeutschland verkauft werden sollten, da bin ich ehrlich. Aber eben nicht alles.

Warum? Was weckt beim Pariser Publikum besondere Begehrlichkeiten, und wie beeinflusst die Mentalität Vorlieben und Kaufverhalten?

Es gibt da schon Unterschiede: Intellektuelle Nachkriegskunst, beispielsweise von Poliakoff, wurde nach dem Krieg viel in Deutschland gesammelt. Es handelt sich aber um einen Maler, dessen Werke vor allem in Paris gefragt sind. Ebenso alte Meister. Wegen der Paris Tableau oder dem Salon du Dessin ist die französische Hauptstadt nach wie vor ein Zentrum für alte Kunst. Aber auch für Design, ob von Ron Arad, Marc Newson oder Jean Prouvé. Und schließlich können Sie in einer Stadt wie Paris, wo es viele Abendveranstaltungen und einen unbeschwerten Umgang mit kostbarem Schmuck gibt, viel öfter Juwelen tragen als vielleicht in Hamburg oder Berlin. Das gehört einfach zum französischen Grand Gout. Der wird dann nochmals gesteigert durch Monte-Carlo, wo man fast täglich mit teuren Juwelen aus dem Haus geht – ohne dass da gerade ein Filmball ist. Es gehört zum Lebensgefühl der Menschen. Nun, und für den Verkauf all solcher Sammlerstücke haben die Menschen in München jetzt einen Ansprechpartner direkt vor der Tür. Lange hatte der süddeutsche Sammler ja einfach keine Alternative.

Aber es gab schon vor Ihnen die Konkurrenz hier. Wie gehen Sie mit ihr um?

Ich finde es gut, dass es sie gibt. Am Ende hat jeder seine Stärken. Wir sind zum Beispiel seit Jahren sehr stark im Bereich Oldtimer. Außerdem ist Konkurrenz sehr gut für den Kunden, der so besser vergleichen kann. Wir sind sehr exibel und, ich sage mal, kreativ, wenn es darum geht, einen Deal zu sichern. Bei Kommissionen oder Transport kommen wir den Kunden oft entgegen.