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Werner Murrer 

Deutschlands bekanntester Rahmenbauer im Interview

Den Wert erhalten

Ein Rahmen dient der ästhetischen Vervollkommnung, aber auch als Schutz eines Bildes. Werner Murrer, Deutschlands bekanntester Rahmenbauer - er hat u.a. den Rahmen für die Sixtinische Madonna gebaut - im Gespräch über Moden, Konservierungsmethoden und Sitten beim Hängen von Kunst, die er gar nicht toleriert.

Herr Murrer, was halten Sie davon, wenn ein Blatt einfach so an der Wand hängt, z.B. mit Kreppklebeband befestigt? Sieht man immer öfter auf Kunstmessen.
Ich bin ein absoluter Fan der rahmenlosen Präsentation. Allerdings muss es zur Kunst passen. Ich denke da an die großartigen Präsentationen von Wolfgang Tillmans, bei denen sich aufwendig gerahmte Fotos an einer Wand abwechseln mit Fotos, die nur mit Klammern gehängt werden.
Es muss aber ein Konzept dahinterstecken und nicht nur eine lieblose Präsentation mit billigem Kreppklebeband.
Man darf aber nicht vergessen, dass ein Rahmen immer auch Schutz bedeutet.

Welche Rahmen eignen sich besonders gut bei Zeichnungen und was kosten diese, nehmen wir mal das klassische Format 50 x 70 cm?
Hier kann man keine pauschale Antwort geben. Es ist doch ein großer Unterschied, ob man eine feine Bleistiftzeichnung oder eine großformatige farbige expressive Arbeit rahmen will. Ganz wichtig ist auch die Entstehungszeit. Im Idealfall findet man einen Rahmen aus der Zeit z.B. zu einer Romantikerzeichnung. Sehr schön kann auch ein spanischer Barockrahmen zu einer Zeichnung von Picasso sein. Für zeitgenössische Papierarbeiten ist ein sehr schmales Profil, das sich nicht in den Vordergrund drängt viel schöner als der übliche Wechselrahmen. Daher lässt sich auch schwer ein Preis sagen, da die Bandbreite doch sehr groß ist.

Ganz wichtig wäre auf jeden Fall eine konservatorisch richtige Montage, ein Museumspassepartout und ein entspiegeltes Museumsglas mit UV-Schutz, um den Wert einer Zeichnung auch längerfristig zu erhalten. Trotzdem dürfen Zeichnungen nicht in das direkte Sonnenlicht gehängt werden und sollten im Idealfall auch immer wieder im Grafikschrank verschwinden.

Was liegt gerade im Trend? Gibt es eine bestimmte Holzart oder ein anderes Material?
Bei guter Kunst geht es nicht um Rahmentrends. Wenn man es genau betrachtet sind seit den 60er-Jahren Rahmen obsolet und trotzdem haben wir soviel zu tun. Es geht um die einfühlsame Kombination von Kunst und Rahmen.
Ahorn hat sich als neutrales Holz bei zeitgenössischer Kunst durchgesetzt.
Antike Rahmen werden immer beliebter. Gerade unsere Spezialität - originale Expressionistenrahmen - sind eine geniale Kombination mit Kunstwerken aus der Zeit.

Was wäre ein No-Go, ein völliger Stilbruch in Bezug auf die Rahmenwahl und das Motiv?
Der Trend, den man auf Kunstmessen sehr gut verfolgen kann, dass Bilder egal ob Impressionist oder Gerhard Richter in den gleichen Pseudor-Rnaissancerahmen mit Leineneinlage „aufgemotzt“ werden. Gute Galeristen zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie bei der Wahl des Rahmens die Intention des Künstlers beachten und nicht nur immer wieder das gleiche Rahmenmodell XY nehmen.

Wie wählen Sie zu historischen Bildern Rahmen aus?
Bei uns bekommt man zu der großen Auswahl auch die kunsthistorische Recherche. Wir besitzen ein einzigartiges Archiv mit fast 100.000 Fotos zu originalen Künstler-Rahmenkombinationen. Wir recherchieren für Museen weltweit, aber auch für den privaten Sammler.

Ich habe neulich ein paar alte gotische Rahmen gesehen, die bekanntlich schlicht sind und daher auch zum heutigen Geschmack passen könnten. Bedauerlicherweise wurden sie im Barock massenhaft entsorgt – weil sie schlichtweg nicht in Mode waren. Wo bekommt man solche Rahmen noch her und was kosten diese seltenen Stücke?
Selbst so berühmte Bilder wie die Sixtinische Madonna verloren ihren originalen Renaissancerahmen und wurden mit einem Barockrahmen „modernisiert“. Heutzutage wird oft mit großem Aufwand versucht das originale Erscheinungsbild wiederherzustellen. In der Gotik entstanden die ersten von den Bildern getrennten eigenständigen Bilderrahmen. Diese sind äußerst selten. Rahmen waren immer Moden unterworfen. Selbst von den berühmten Brücke-Künstlern gefertigte Rahmen wurden gegen angeblich wertvollere Goldrahmen ausgetauscht. Die wenigen noch existierenden Rahmen- Bildkombinationen werden nächstes Jahr das erste Mal in einer von uns kuratierten Ausstellung im Brücke-Museum Berlin und im Buchheim-Museum Bernried gewürdigt. Wir haben 2500 originale Rahmen aus allen Stilepochen von der Gotik über Renaissance, Barock sogar bis zum Expressionismus und den 50er- und 60er-Jahren.
Da Rahmen, anders als Möbelstücke, oft entsorgt wurden, sind sie selten und dadurch auch relativ teuer. Die Preise beginnen  bei 200 Euro für  einfache Rähmchen und gehen  für seltene Stücke in den fünfstelligen Bereich.

Wäre auch ein Nachbau bei Ihnen möglich?
Wir haben uns auf den aufwendigen Nachbau dieser Rahmen spezialisiert. Ob es ein simpler deutscher gotischer Rahmen aus Nadelholz, ein italienischer Renaissancerahmen aus Pappelholz, ein geschnitzter französischer Barockrahmen aus Eiche, oder ein Expressionistenrahmen aus Fichte ist, bei uns bekommen Sie alles.

Gibt es eigentlich Menschen, die ausschließlich Rahmen sammeln, also letztlich nur diese an der Wand exponieren ohne Inhalt?
Ernsthafte Sammler gibt es weltweit nur wenige. Aber eine schöne Möglichkeit für jedermann ist es, auch leere Rahmen an die Wand zu hängen. Das können ganz einfache Rahmen vom Flohmarkt sein bis zum riesigen originalen Barockrahmen.

Nach hinten abfallende Rahmen heben ein Motiv hervor, sie eignen sich für Portraits beispielsweise. Das Gegenteil gilt für Landschaften, habe ich mir mal sagen lassen. Muss man sich an diese Regel halten?
Ganz sicher nicht. Es ist manchmal ganz richtig, aber wirklich nicht zwingend. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ist es eine klassische Landschaft wie z. B. in der Romantik oder ganz flächig gemalt? Ist das Portrait von Lucian Freud oder ein feines Rokokoportrait? Mit Wissen, gutem Geschmack und vielen Beispielen kann man sich sehr gut an eine optimale Lösung rantasten.

Herr Murrer, letzte Frage: Stimmt es, dass man den Staub von Goldrahmen besser wegwedeln, statt –wischen sollte, weil sonst die hauchdünne Goldschicht mit der Zeit verloren geht?
Selbstverständlich ja. Schauen Sie sich  mal einen typischen vergoldeten Hohlkehlrahmen an. Im unteren Schenkel, an dem sich der meiste Dreck absetzt, ist das Gold oft so stark durchgerieben, dass das Poliment durchscheint.

 

Mehr Informationen unter murrer-rahmen.de

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